Geboren am 16.5.2001, gestorben am 10.7.2006
Eigentlich wollte ich damals nur einen "Felix", als ich hier mit den Kindern in eine eigene Wohnung gezogen bin. So einen Felix wie ich ihn selbst als Kind hatte. Einen Kuschelkater zum Liebhaben, Sorgen erzählen, knuddeln... Den gabs dann nur in Verbindung mit seiner Schwester, weil die beiden so an sich gehangen haben. Zwei Katzen sind sowieso besser als eine und Felidae war von Anfang an ganz besonders süß und knuddelig. Sie kuschelte am Liebsten unter meiner Bettdecke oder Sofadecke und konnte so herrlich schnurren. Sobald ich ins Bett ging, kam sie hinterher - manchmal war sie auch schon da, wartete und legte sich endweder unter die Decke oder ans Kopfkissen - immer ganz in die Nähe. Sie war zwar typisch Mädchen und etwas zickig manchmal, nein, zickig ist gar nicht das richtige Wort. Sie war "Dame" in ihrem Wesen. Tat nur was ihr gefiel, mochte es nicht herumgetragen zu werden, wollte immer selber kommen, wenn sie denn dann kuscheln wollte. Was sie eigentlich sehr oft wollte...
Sie war immer sehr klein, zart, zierlich und dünn. Aber nie dürr, so wie die letzten Wochen.
Mit knapp einem Jahr hat sie ein Baby bekommen, ungeplant. Sie hat es auf dem Balkon gekriegt und ist dann mit dem winzigen, schwarzen Ding unter Vanessas Bett verschwunden, wo das Katzenbaby Baghira seine ersten Wochen verbracht hat. Es war vielleicht nicht sehr vorbildlich und mütterlich, daß sie mitten in der ersten Zeit irgendwann vom Balkon sprang - oder fiel?. Wir wohnen im ersten Stock, weh getan hat sie sich nicht. Aber einfangen lassen wollte sie sich auch nicht. Ich hab mir ihr Baby geholt und das Geräusch von diesem hat sie dann angelockt, so daß ich beide, Mama und Sohn, wieder nach oben tragen konnte.
Die einzigen Zeiten, wo ich nichts mit ihr anfangen konnte, war wenn sie rollig war. Wenn sie auf eine komische, aufdringliche und nervige Art kuschelig wurde. Wo sie, die sonst immer das Katzenklo benutzt, plötzlich Protestpinkeln auf Sofakissen neben unliebsamen Besuch veranstaltete - und ähnlich "dumme" Dinge tat.
Vor einigen Monaten hatte sie einen "Gnubbel" am Bauch. Ich bin sofort zum Tierarzt mit ihr, mein letzter Kater der "Gnubbel" bekam, musste eingschläfert werden: Krebs. Ich war heilfroh von der Ärztin zu hören, daß es nur ein Nabelbruch ist. Die Operation war inklusive Kastration zum Preis einer solchen - die eh noch gemacht werden musste.
Als ich mein nakotisiertes Kätzchen davon wieder abholte, hat mir die Ärztin erklärt, daß Felidae viel Glück gehabt hat. Sie hatte eine entzündete Gebärmuttter und das kann große Probleme machen, bleibt aber meist viel zu lang unbemerkt. Somit wurde aus der Kastration doch gleich eine vollständige Entfernung der Gebärmutter, die mir dann von der Ärztin hübsch präsentiert wurde: "gucken sie mal, alles voller Eiter" *miteinemkugelschreiberaufdemstückwasauchimmerstocher* - ja danke, es gibt Dinge, die will ich in diesem Detailgrad gar nicht wissen... *mitdenaugenroll*
Dann hat Felidae vor ein paar Wochen ganz plötzlich und ganz extrem abgenommen, das kleine und eh schon dünne Ding. Egal welches Leckerfutter ich ihr angeboten hab, sie wollte es nicht essen, fast nicht essen. Der Besuch beim Tierarzt ergab "chronische Niereninsuffizienz" und die Ärztin klang weniger pessimistisch als ich heute, keine vier Wochen später denke. Diese Krankheit tritt in verschiedenen Stärken auf, ich fürchte, meine Süße hatte die volle Dosis erwischt...
Nach ein paar Tagen wurde es langsam besser, sie fraß wieder selber, auch teilweise für ihre Verhältnisse relativ viel. Wir hatten die Hoffnung, daß sie nun wieder Gewicht zulegt - aber dafür hatte sie gar nicht mehr die Zeit.
Sie kam nur noch wenig zum Kuscheln, aufs Bett gar nicht mehr. Selbst der Sprung ins Waschbecken (sie war die klassische Wasserhahntrinkkatze) fiel ihr schwer, so daß ich oft den Klodeckel runtergeklappt hab, damit sie von dort einfacher aufs Waschbecken kommt.
Wirklich elend erschien sie meistens nicht, aber auch nicht fit, nicht normal, nicht gesund. Das Fressen war mehr oder weniger anstrengend, mal fraß sie artig ihr Spezialfutter, mal brauchte sie eine Menge Zuspruch und immer wieder einen neuen Anlauf, bis sie endlich aß.
Vor wenigen Tagen dann der nächste Schub, sie fraß nicht. Nach zwei Tagen haben wir wieder zugefüttert, pürriert, mit der Spritze - und sie hat es reichlich artig über sich ergehen lassen. Genutzt hat es nichts... Sonntag war sie total schlapp, am Montag Morgen wurden wir neben dem Wecker von einem komischen Geräusch geweckt. Ich bin aufgestanden und da lag meine Lieblingskatze, alle Viere von sich gestreckt, im Flur. Ich hab sie hochgenommen und mich mit ihr aufs Sofa gesetzt, bis ich den Kindern wegen in die Küche musste. Denen Frühstück machen und verhindern, daß sie die Katze sehen. Meine Tierärtzin ist nur nachmittags da, ich wollte gleich nachdem die Kinder zur Schule aufgebrochen sind mit Felidae zu einem anderen Tierarzt hier in der Nähe.
Als die Kinder kurze Zeit später zur Schule verschwunden waren bin ich wieder zu Felidae... Sie hat nicht mehr geatmet. Ich hab meine Hand auf ihren Brustkorb gelegt - nix! Nochmal... noch immer nix... Im Grunde meines Herzens war neben dem Schmerz sofort eine Erleichterung da - sie hat es hinter sich! Als ich vorher noch mit ihr auf der Brust auf dem Sofa saß, hatte ich wahrhaftig den Gedanken, wie man der Katze dieses Leiden beenden kann - aber ich bin zu so etwas nicht in der Lage. Da bin ich eigentlich auch froh drum, auch wenn mir klar war und ist, daß ich ihr nur noch ein bisschen Leid erspart hätte. Vermutlich hätte ich mir damit aber wesentlich mehr Leid zugefügt, als die wenigen letzten Minuten mit ihr mir wehgetan haben.
Marko hat mit einer Taschenlampe in ihre offenen Augen geleuchtet - keine Reaktion. Sie war wirklich tot. Die Endgültigkeit vom Tod ist immer wieder... erschreckend... schmerzhaft... und böse!
Sie lag noch eine ganze Weile da auf dem Sofa, bis ich einen Karton nahm und sie samt einem Handtuch dort hinein bettete.
Beerdigt haben wir sie erst am späten Abend, zusammen mit den Kindern. Wir haben einen Stein genommen und ihre Namen draufgeschrieben, Jeder einen: Felidae, Felimaus, Felinudel und Süße. Darlene hat ihr ein Spielzeug und ein kleines Buch mitgegeben, Vanessa eine grüne Feder. Sie sagte, daß Felidae vielleicht als Vogel wieder auf die Welt kommt und dann erkennen wir sie an der grünen Feder ;). Beide Kinder waren sehr geschockt, als ich es ihnen erzählt habe, daß Felidae gestorben ist. Und es kam immer wieder die Frage, ob sie jetzt wirklich tot ist, wirklich nicht mehr aufsteht, wirklich nie wieder lebt... Nein, nie wieder... :(
Als wir aufgebrochen sind um ihr einen schönen, letzten Platz zu suchen, nahm ich den Karton hoch und... vielleicht durch die Bewegung von mir, vielleicht auch aus purer Einbildung, ich war mir sicher, da drin bewegt sich was! Mir war klar, daß das unmöglich ist und doch hab ich aufgemacht und da drin lag noch immer meine Felidae - und sie war noch immer tot. Danach wollte ich den Karton nicht mehr tragen, konnte ich nicht mehr, brauchte ich zum Glück auch nicht.
Warum grade an diesem Abend viel zu viele Menschen rund um meine Lieblingsstelle waren, weiß ich nicht. Aber wir mussten uns schon etwas anstrengen, um einen geschützten Platz fern von angelnden und biertrinkenden Menschen zu finden. Natürlich war auch das Graben des Loches alles andere als einfach - grad auch noch mit einer kleinen Gartenschaufel. Einen Klappspaten gab es nicht, wir haben versucht einen zu kaufen.
Nach einer ganzen Weile Buddelei von uns allen, aber vor allem von Marko, konnten wir den kleinen Karton in das Loch tun. Wir wollten alle nochmal reinschauen, bis zu dem Moment war noch so ein Restfunken Hoffnung bei den Kindern vorhanden, daß wir uns vielleicht doch nur geirrt haben was Felidaes Tod angeht. "Sie ist ja schon ganz kalt" kam sehr leise und geknickt von Vanessa, als sie ein Leckerchen und die Feder in den Karton legte. Ich hab meine Süße am Kopf gestreichelt und mich verabschiedet, Darlene und Marko auch. Sie hat von Jedem von uns ein Leckerchen bekommen - jetzt ist ihr ja nicht mehr schlecht ;)
Karton in die Erde. Erde drauf. Jeder ein bisschen, dann nur noch Darlene und Marko... Die Endgültigkeit einer solchen Tätigkeit ist auch ziemlich böse... Oben drauf kam der Stein und ein Blumenstrauß von Darlene...
Schlaf gut meine Süße!!!
Wir werden Dich wirklich nie vergessen!
P.S.: Darlene hat heut im Hort ein großes Bild gemalt mit einem Katzenhimmel und einer Felidae mit Flügeln :) - sie musste beim Hausaufgaben machen im Hort weinen heut, hat sie erzählt :( . Vanessa sagte gestern, sie wäre zu alt zum Weinen (das tut man mit zehn nicht mehr) - aber sie vermissen Felidae, wir alle...