Seit nunmehr 5 Wochen arbeite ich nur noch halbtags. Das hat vertragliche Gründe bzw. liegt daran, daß es da, wo ich beschäftigt bin, keine unbefristeten Vollzeit- oder Dreiviertelstelle gibt. Ich habe einen festen Halbtagsvertrag und die letzten fünf Jahre zusätzlich einen befristeten 1/4-Vertrag gehabt. Der ist nun ausgelaufen und kann nicht wieder verlängert werden. Länger als fünf Jahre darf man nicht befristet beschäftigt sein.
Für mich bedeutet das etwa 400 Euro netto weniger im Portemonaie. Und plötzlich unglaublich viel Zeit. Ok, stimmt so gar nicht. Die Zeit verschwindet, pardon - vergeht natürlich genauso schnell, wie sonst auch. Nur muß ich an 3 Tagen morgens nicht zur Arbeit hetzen, sondern kann faul im Bettchen liegen bleiben. Eigentlich nur 2 Tage, der dritte Tag ist mein "Studientag", da mein Arbeitgeber mich für drei Semester als Gasthörer an einer Fernuni freigestellt hat. Dies wiederum hat seinen Hintergrund in meinem nicht anerkannten Studiengang. Ich hab seinerzeit an einer privaten Akademie den Abschluß "Informatik-Betriebswirt (VWA)" erlangt, der zwar teilweise in der freien Wirtschaft aber keineswegs im öffentlichen Dienst einem Fachhochschulabschluß gleichgestellt wird. Um mich auch finanziell meinen Kollegen gleichzustellen, die ja in etwa das gleiche leisten wie ich, hat mein Chef sich stark gemacht für diese Art der "Weiterbildung" und mein Amt zahlt mir nun das Studium, stellt mich einen Tag in der Woche frei und ich muss dafür fleissig Informatik büffeln.
Und nun hab ich so viel weniger Streß als ich es gewohnt bin und das irritiert mich. Ich wache morgens schon mit einem schlechten Gewissen auf, wenn ich, nachdem die Kids zur Schule entschwunden sind, wieder eingeschlafen bin. Und hab das dumme Gefühl, daß ich irgendwas verpasse, daß ich mehr leisten müsste. Wenn ich schon so viel Zeit zur Verfügung habe. Das wird sich sicherlich bald wieder "geben", ich hoffe auf einen weiteren Zeitvertrag, wenn eine Frist von etwa 9 Monaten abgelaufen ist oder eine andere Art der Mehrbeschäftigung. Vielleicht sogar einen ganz anderen Job, der wäre dann aber wahrscheinlich Vollzeit. Für den Moment sollte ich die Zeit und die Ruhe und den Mangel an Streß einfach geniessen! Und dabei zur Ruhe kommen! Ein bisschen tue ich das ja. Und doch habe ich noch mehr als sonst das Gefühl, als würde mir mein Leben, meine Tage einfach zwischen den Fingern durchrieseln. Wobei ich dieses Gefühl ja immer habe, jetzt verstärkt es sich aber dadurch, daß ich so wenig arbeiten muss. Arbeiten darf? Arbeiten kann? Ich hab ein regelrechtes schlechtes Gewissen! Sogar meinem Job gegenüber, für den ich nun so wenig Zeit habe. Das ist dämlich!
Da ich meinen Mangel an Arbeit nicht zu verschulden habe, brauch ich dem Job und meiner freien Zeit gegenüber kein schlechtes Gewissen haben! (Verdammtnochmal!)
Aber ich möchte dennoch die Zeit besser nutzen! Mehr lernen, mehr Sport machen, mehr Liegengebliebenes erledigen, aber auch mehr Zeit einfach nur bewusst "vertrödeln"!
Und endlich mal anfangen, meine Wohnung zu streichen! Das ist sowas von lange schon überfällig... Allerdings würden wir ja gerne umziehen, daher hab ich das Streichen lange vor mir her geschoben. Jetzt streich ich aber doch, wenigstens die schlimmsten Räume. Und entrümpel die Kinderzimmer.
Apropos Kinder: die sind absolute Gewinner meiner momentanen Arbeitssituation - so viel Zeit haben sie sonst nie mit mir gehabt und eine so ruhige Mama hatten sie auch nur selten... :)