Vorsicht, es wird ein bisschen sentimental nun...
Wie schwer es doch fällt, Kinder loszulassen... Vanessa (wird im März 10) ist nun öfter mal bei ihrem Vater Nachmittags. Ab Schulschluß (meist 13 Uhr) ist sie seit diesem Schuljahr allein Zuhause bis ich von der Arbeit komme (meist zwischen 15 und 16 Uhr). Sie wollte das so, ein Jahr lang hätte sie noch in den Club gehen können (wie Hort aber nur bis 15 Uhr). Das wollte sie nicht. Somit koche ich meistens vor, sie futtert alleine, macht Hausaufgaben alleine (das tat sie eh immer) und spielt ein bisschen bis ich mit ihrer kleineren Schwester nach Hause komme. Oder sie verabredet sich auch mal für einen Nachmittag. Dies passiert aber eher seltener. Sie ist ja sowieso eher das etwas zurückgezogene Kind, findet schwieriger Anschluss, Freunde. Aber braucht dies wohl auch weniger als zum Beispiel ihre Schwester, die sich alleine so gar nicht zu beschäftigen weiß (und somit eigentlich immer unterwegs mit oder zu Freunden ist).
Naja, Vanessa das Schlüsselkind leidet unter Einsamkeit nachmittags. Also hab ich den Vater der Kinder 'aktiviert'. Dieser hat eh öfter mal in der Woche frei und eigentlich jeden Tag am Nachmittag (Teildienstpause zwischen halb 3 und halb 6 Uhr). Er hatte versprochen sie öfter mal nachmittags zu nehmen, dies aber von alleine bislang nicht getan. Jetzt tut er es - und verplant gleich ihr ganzes Leben *stöhn*.
Gestern war der erste Tag dieser 1-Kind-Nachmittags-zum-Papa-Geschichte. Er hatte sowieso frei und sie von der Schule abgeholt. Sie ist dann auch gleich über Nacht geblieben und hat sich drauf gefreut. Heute Morgen dann der Anruf von ihm, daß er sie heute wieder abholt, diesmal um 15 Uhr von Zuhause, also von mir. Morgen würde er sie auch wieder nehmen und am Freitag und im Frühjahr führe sie dann mit dem Rad bis zu ihm und mit dem Bus könnte sie ja auch fahren, das müssten sie nur mal üben und überhaupt, seine Lebensgefährtin hätte heut frei, sie könnte also - wenn sie das wollte - wieder über Nacht bleiben...
Ja - fein... Hoffe ich... *seufz.* Es muss das Beste für Vanessa sein, soweit ist mir das klar. Aber in meinem Bauch grummelt es ziemlich... Am Liebsten hätte ich ihn heut Morgen gleich gebremst in seiner Art nun Knall auf Fall ihr halbes Leben umzustellen... (das ich sowieso nicht glaube, daß er das dauerhaft durchhält, möchte ich nur ganz leise und am Rand erwähnen).
Ich halte ihm zugute, daß er es ja auch nur gut meint. Aber sie wohnt doch hier... auch hier... und sie kann durchaus Nachmittags allein bleiben. Sie soll es ja nach Möglichkeit nur nicht immer! Und sie soll sich durchaus hier weiter mit ihren Freundinnen verabreden! Und und und... Ich kann durchaus hin und wieder auch mal früher Zuhause sein, das bin ich so ja auch!
*seufz*...
Es fühlt sich an als wolle er mir das Kind wegnehmen. Egal wie dämlich das nun klingt und egal wie fern es der Realität ist oder sein kann.
Heut Nachmittag war ich kurz Zuhause weil ein Wasseruhrenableser kam. Somit hatte ich mit meinem grossen Töchterchen grob eine halbe Stunde. Wir haben zusammen gegessen und kurz geredet bevor ich wieder zur Arbeit gefahren bin. Ich hab ihr gesagt, das sie Heute wieder bei ihrem Vater schlafen könnte, wenn sie wollte, und sie wollte. Ging aus dem Raum und machte spaßeshalber den Spruch, daß sie so fast ganz zum Papa zieht. Sie hat dann selbst gemerkt, daß das wohl nicht ganz glücklich formuliert war und innegehalten, mir einen Blick zu geworfen.... bei dem ich wieder sicher weiß, daß man auch mit 9, fast 10 Jahren, schon eine Menge von den Gefühlen und Gedanken anderer verstehen kann.
*seufz*
Bei ihrem Vater hat sie ihren Lieblingshund. Das ist gut! Das sie weniger alleine ist und beide Kinder hin und wieder ein Elternteil für sich allein haben ist auch gut! Das ich weniger schlechtes Gewissen so haben muss und vielleicht ein bisschen weniger Streß habe oder mir mache ist auch gut!
Warum fühlt es sich dann auch ein ganz klein bisschen schlecht an? :(