Ninas Schmierblo(g)ck

Konservierungsmittel...

iiiiiieh! LÄUSE!!!

Geschrieben von Nina • Donnerstag, 4. Oktober 2007 • Kategorie: privates
Na, kribbelt und kitzelt es schon überall? Mir schon. Meine Tochter kam letzten Freitag mit Kopfläusen nach Hause. Genauer gesagt: letzten Freitag haben wir die Läuse gefunden. Eine erwachsene Laus und etwa 5 Läusebabys, dazu noch ein paar Nissen (Läuseeier). Ich bin ja froh drum, daß ich es diesmal so schnell bemerkt habe, als meine andere, grössere Tochter vor zwei Jahren Läuse hatte (die vierte Klasse scheint sich hier zu einem Klassiker für Läusebefall zu entwickeln), bemerkte ich es erst, als es auf ihrem ganzen Kopf schon krabbelte (*boah* mich kribbelts sogar beim Schreiben überall!).

Es ist mir ein Rätsel, daß wir eine dermaßen fortgeschrittene Gesellschaft wenigstens behaupten zu sein, aber so etwas triviales wie Läuse nicht in den Griff bekommen. Ganz im Gegenteil, diese entwickeln immer mehr Resistenzen gegenüber den herkömmlichen Läusegiften, so daß zumindest hier in Hannover-Döhren von bestimmten Mitteln schon abgeraten wird. Die nutzen nix mehr, sagt man (gehört hab ich das in einer Arztpraxis wie auch von diversen anderen "Läuseeltern").

Meine Eltern behaupten, daß es so viel Läusealarm in meiner Kindheit nicht gegeben hätte, sie erinnern sich aber (im Gegensatz zu mir) auch an eine Läusebehandlung, irgendein blaues (?) Zeug, was lange auf den Haaren blieb... Vielleicht wird heute aber auch einfach häufiger gewarnt (das Schild "Ein Kind hat Kopfläuse" an der Kindergartentür war beinahe Standard). Und doch ist es noch immer ein Tabuthema, viele Eltern verschweigen Läuse, schon allein um sich kein Attest vom Arzt holen zu müssen um das Kind wieder in Kindergarten oder Schule schicken zu können. Dabei haben Läuse gar nichts mit Hygiene zu tun, angeblich fühlen sie sich auf frisch gewaschenen Köpfen und Kopfhaut sogar wohler. Läuse sind schnell und rasen so beim Kuscheln und spielen einfach so und ohne sich über gesellschaftliche Grenzen Gedanken zu machen von Menschenkopf zu Menschenkopf. Allerdings wartet eine Laus aufs Erwachsenwerden, bevor sie ihren Wirtskopf verlässt. Am wohlsten fühlen sie sich direkt an der Kopfhaut bzw. da im Schläfen-, Ohr- und Nackenbereich (der Wärme wegen).

Wer Läuse hat, krazt sich häufig am Kopf, weswegen mich Menschen, die sich am Kopf kratzen, inzwischen sehr nervös machen (es juckt schon wieder ;) ). Das liegt daran, daß Läuse sich vom Blut der Kopf ernähren und beim Beissen (ähnlich der Mücke) ein gerinnungshemmendes Sekret aus seinen Speicheldrüsen in die Wunde gelangt. Das löst über eine allergische Reaktion dann den typischen Juckreiz aus.

Wir nutzen zur Läusebekämpfung Infecto Pedicul (*1), ein Läusegift aus der Apotheke, was angeblich Läuse und Nissen abtötet bzw. so schädigt, daß sie sich nicht mehr fortpfanzen können. Wobei ich zumindest bei dem ersten Läusebefall vor 2 Jahren auch mit diesem Gift nach Tagen noch lebende (Baby-) Läuse auf dem Kopf meiner großen Tochter fand. Vielleicht waren die aber wirklich geschädigt, auf jeden Fall waren und sind die Haare extrem lang gewesen, was den Kampf gegen die Läuse nicht grade einfacher macht. Übrigens haben drei von vier Bewohnern in unserer Wohnung extrem lange Haare. Die zur Zeit sehr regelmässig nach neuen Läusen und Läuseeiern abgesucht werden. Mit einem speziellen Läusekamm/Nissenkamm, in dem Laus wie Ei angeblich hängenbleibt. Angeblich schreibe ich deshalb, weil ich bei der Bekämpfung vor zwei Jahren tagelang die Eier mit den Fingern aus den Haaren gezogen habe. Im Kamm blieb da so gut wie nichts hängen! Ich vermutete lange, daß man aus dem Stoff, mit dem die Laus ihre Eier anklebt, sicher einen superwasserfesten Klebstoff entwickeln könnte...

Erwachsene Läuse (Ektoparasit Pediculus humanus capitis) sind 2 bis 3,5 Millimeter große, leben etwa einen Monat und legen etwa 5 Eier pro Tag. Diese kleben sie direkt an die Haarwurzel, womit man sehr gut sehen kann, ob die aufgefundenen Nissen sehr frisch oder doch schon älter sind - je nach dem, wie weit sie von der Kopfhaut entfernt sind. Gefährlich sind nur die durchscheinenden Eier nahe an der Kopfhaut; die auffälligen, weißen Nissen, die mehr als einen Zentimeter von der Kopfhaut entfernt sitzen, sind harmlos, weil leer oder tot. Läuse schlüpfen nach etwa 8 Tagen und sind nach weiteren 10-12 Tagen geschlechtsreif, was bedeutet, die Behandlung mit dem Gift kann man (in hartnäckigen Fällen) nach etwa 8-10 Tagen noch einmal wiederholen. Sofern man beim ersten Mal alle lebenden Läuse erwischt hat, kann man sich so relativ sicher sein, daß zumindest auf dem behandelten Kopf keine weiteren Züchtungen entstehen. Weswegen man natürlich vor erneuter Fremdansteckung auf dem Schulhof oder über das eigene Kinderzimmer noch immer nicht sicher ist. Es ist bei Läusebefall immer sinnvoll und nötig, die Bettwäsche, Handtücher, benutzte Kleidung bei mindestens 40 besser noch 60 Grad zu waschen (ab 40 Grad sterben Nissen wie Läuse), alles gut abzusaugen und alle Stofftiere und alles, was irgendwie Läuse beherbergen kann und nicht in die Waschmaschine darf, in Plastiskäcken für ein paar Wochen in Karanthäne zu geben (unser Balkon ist voll davon...). Läuse können etwa 2 Tage ohne Nahrung auskommen, aus den Eiern wird etwa nach 10 Tagen eine Laus schlüfen (sofern es nicht zu kalt oder zu warm war), rein rechnerisch reichen also 2 Wochen ohne die Lieblingskuscheltiere aus. Alternativ funktioniert zumindest bei manchen, kleineren Gegenständen auch "einfrieren", evtl. befallenes einfach 24 Stunden in die Gefriertruhe legen. Bürsten, Haargummis und ähnliches muss natürlich auch gereinigt werden (auskochen, einfrieren, wegpacken).

Der Kampf gegen Läuse direkt auf dem Kopf kann neben dem bekannten Läusegift auch auf natürlichere Weise geführt werden. Zum einen natürlich (und in jeden Fall!) mit dem Läusekamm und häufigerem Kämmen (Läuse sind extrem schnell und flüchten schnell in den Schatten, wenn man die Haarsträhnen hochnimmt - ausserdem sind die Babys verdammt klein und ziemlich hell). Übrigens hatte ich beim Kämmen immer eine kleine Schale mit Wasser dabei um gefundene Läuse direkt ersäufen zu können - und bei allem anderen, was nicht identifizierbar war, immerhin sicher zu sein, daß es ertrinkt, sofern es eine Laus ist ;) . Weiterhin soll es sinnvoll sein, die Haare mit Essig zu behandeln (Läuse mögen den PH-Wert so gar nicht). Dafür einfach die Haare nach dem Waschen mit purem Haushaltsessig reichlich beträufeln, evtl. noch eine Tüte oder ein Handtuch drüber und schön lange einwirken lassen (30-60 Min.). Danach ausspülen und - wieder - kämmen. Der Essig soll auch helfen die festgeklebten Läuseeier einfacher abzubekommen, diese Erfahrung konnte ich (siehe weiter oben) leider nicht machen.

Kokos,- und Sojaöl helfen auch auf natürliche und sehr einfache Weise: die Läuse ersticken und trocknen dann aus (das Öl verklebt ihre Atemwege). Hier gibt es einige (keineswegs günstige) Produkte auf dem Markt: Shampoo und Umgebungsspray. Das Shampoo lässt man einfach 60 Minuten auf den Haaren und wiederholt die Anwendung alle paar Tage. Erscheint mir zumindest sinnvoller als der regelmässige Einsatz von Giften, gegen die Reisistenzen entwickelt werden können.

Hitze mögen Läuse auch nicht, ab 40 Grad sterben sie ab. Deswegen gibt es auch noch den alternativen aber umstrittenen Ansatz, Läuse mit Trockenhauben den Garaus zu machen. Einfach 20-60 Minuten unter der möglichst heißen Haube sitzen bleiben, grade kleinere Kinder werden dies natürlich nicht problemlos mitmachen. Und wie bei allen Läusevernichtungsmethoden muss auch diese hier möglichst wiederholt werden und in den Tagen und Wochen nach dem Befall immer wieder nachgeschaut werden, ob nicht doch etwas überlebt hat.

Ich hoffe hier in Kürze wieder mit dem ständigen Kämmen aufhören zu können. Und das meine jetzt befallene Tochter nicht die gleichen Probleme bekommt wie meine Grosse vor zwei Jahren; da hat mindestens eine Klassenkameradin und Freundin überaus bescheuert reagiert und die anderen hübsch mit aufgestachelt (es ist nicht grad angenehm den ersten Tag wieder in die Schule zu dürfen, natürlich mit dem Läusefrei-Attest, und Kinder schreiend vor einem weglaufen... )

*1: Die Zeitschrift Öko-Test hat es in einem Produktvergleich im März 2006 Infecto Pedicul zwar als am besten wirksam empfohlen, allerdings nur mit der Note ausreichend, denn die Ökotester äußerten Bedenken wegen der giftigen Wirkung auch auf Warmblüter wie den Menschen. Quelle: Wikipedia.de

0 Trackbacks

  1. Keine Trackbacks

0 Kommentare

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)
  1. Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben


Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
BBCode-Formatierung erlaubt
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA


Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!

gratis Counter by GOWEB