Glatteis
Hannovers Straßen- und Wegeverhältnisse sind momentan eher als katastrophal zu bezeichnen. Nachdem es vor einigen Tagen erst schneite, dann taute und dann heftig kalt wurde, ist die Stadt bedeckt von einer zentimeterdicken Eisschicht, in die an weiten Teilen Fußabdrücke und Radspuren mit eingefroren sind.
Die Hauptstraßen sind sofort mit Salz behandelt worden und somit frei, seit gestern werden nun auch die Nebenstraßen mit Salz befahrbarer gemacht. Rad- und Fußwege interessieren die Stadt aber nicht wirklich. Die Fußwege sind in den meisten Fällen Sache des Eigentümers des Hauses, so die offizielle Aussage. Allerdings ist der Einsatz von Salz für die fußwegreinigenden Anwohner ausdrücklich verboten und wird mit Bußgeldern geahndet. Was im Sinne des Umweltschutzes schon in den 90er Jahren des letzten Jahrtausends (Jahrtausend? Das klingt noch immer seltsam) Gesetz wurde und was ich normalerweise auch für gut und richtig halte. Momentan aber nicht. Es sind noch nicht mal die Fußgängerzonen im Innenstadtbereich begehbar, auch dort sind teilweise noch immer grosse, spiegelglatte Eisflächen. Die Stadt selbst hat diese Fußwegreinigungen an Firmen vergeben, die nun offenbar heillos überfordert sind.
Gestern hatte ich meinen ersten Arbeitstag im neuen Jahr und bin in (ich gebs ja zu) grenzenloser Naivität wie beinahe immer mit dem Rad losgefahren. Natürlich hab ich von der Glätte gewusst, aber ich hab auch erwartet, daß wenigstens die Wege an den großen Straßen und die vielbenutzten Wege im Wald bzw. am Maschsee befahrbar sind. Pustekuchen! Die Wege an der Eilenriede sind mit Schildern "kein Winterdienst" für die Stadt aus dem Schneider (und eine einzige Eisfläche). Alle anderen Radwege im Stadtgebient scheinen auch nicht zu interessieren. Zumindest habe ich keinen gefunden, der in irgendeiner Form wenigstens mit Sand oder Splitt behandelt worden wäre. Somit schlitterte ich gestern über spiegelglatte aber stellenweise extrem wellige Eisflächen, teils geräumten oder gestreuten Gehwegbereichen (wobei sich dieser Untergrund alle 5-10 Meter schlagartig änderte, also jedesmal, wenn ein Grundstück endete und damit der Verantwortungsbereich eines Eigentümers) bzw. teilweise auf den wunderbar befahrbaren weil eisfreien Straßen (was im Berufsverkehr bei Dunkelheit und diesen Witterungsverhältnissen überhaupt keinen Spaß macht!).
Maximal 45 Minuten brauche ich normalerweise (mit dem Winterrad) bis zur Arbeit, gestern war es doppelt so lange und auf eine gewisse Weise wesentlich spannender, wenn auch nicht unbedingt spaßiger - obwohl die Fahrt als eine Art Geschicklichkeits- und Koordinationstraining durchgehen könnte.
Heute hab ich meine Abneigung für Öffentliche Verkehrmittel versucht zu unterdrücken und bin mit Bus und Bahn zur Arbeit. Ein Experiment, was ich sicher nur in Notfällen wiederholen werde (das Glatteis ist für mich seit heute Morgen nicht mehr Notfall genug). Es dauert zu lange (60 Minuten), ist zu teuer (5 Euro hin und zurück) viel zu voll und - im Vergleich zu den schönen und ruhigen Momenten selbst auf der spiegelglatten Radstrecke - einfach zu laut und einfach ätzend.
Dann versuch ich es morgen eben doch wieder mit dem Rad. Vielleicht hat die Sonne trotz der Minusgrade ein wenig dafür gesorgt, das manche Eisfläche ein weniger benutzbarer geworden ist.
Mein öffentlicher Frust geht an dieser Stelle an die Stadt Hannover. Sparsamkeit in allen Ehren, aber die Bürger müssen sich wenigstens zu Fuß gefahrlos fortbewegen können. Und falls es dieser Stadt mit dem Umweltschutz wirklich wichtig ist (was Hannover immer betont, man denke alleine an die vielumstrittene Umweltplakette), sollte sie auch dafür sorgen, daß die Radwege benutzbar sind. Niemand erwartet völlige Eisfreiheit, aber wenigstens der Versuch benutzbare Schneisen mit Sand und vielleicht etwas Salz auf den wichtigsten Wegen entlang der Hauptverkehrsstraßen, am Maschsee und in der Eilenriede zu erzeugen, kann doch kaum zuviel verlangt sein. Für die Autofahrer wird ja auch der Weg frei gemacht!
Nachtrag - 9.1.09
Seit gestern ist es den Anwohnern in Hannvoer nun doch erlaubt mit Salz zu streuen. Allerdings ist es fast überall schon ausverkauft.
Und besonders erwähnt gehört noch die AOK auf der Hans-Böckler-Allee in Hannover. Der Fußweg vor diesem Gebäude ist mehrere Meter breit und auch heute noch immer eine einzige Eisfläche. Was haben die vor, die Kundschaft an sich binden? ...