
Sechs Kilometer lang ist die Strecke rund um den Maschsee in Hannover, gesäumt von Bäumen und Büschen, an der einen Seeseite die Leine, an der anderen Seeseite eine Straße. Der sehr breite Radweg ist mit einem relativ gut asphaltierten Belag versehen und auf weiten Strecken durch Büsche und Grünflächen vom ebenfalls breiten Fussweg getrennt. Keine Ampeln stören die Radler hier, keine Straßen, die die Strecke kreuzen; normalerweise gab es keinen einzigen (verkehrstechnischen) Grund, auf den sechs Kilometern auch nur ein einziges Mal anzuhalten.
Das soll nun vorbei sein. Die Stadt Hannover hat probehalber zum Maschseefest, welches aktuell stattfindet, den Radweg an der einen Seeseite für Fahrradfahrer gesperrt. Statt dessen soll man als Radfahrer auf den wesentlich schmaleren, kürzlich rasch zusammengezimmerten Radweg auf der anderen Straßenseite ausweichen (der nicht mal die gesammte Länge des Seeufers vorhanden ist!). Dafür muss man zwei Mal die vielbefahrene Uferstraße am Maschsee und noch mindestens eine, wenn nich gleich zwei weitere Straßen, die auf die Uferstraße stossen, überqueren. Das sind 3-4 Stoppstellen und je nach dem aus welcher Richtung man kommt, fährt man die Kreuzung von der aus verkehrstechnischer Sicht falschen" Seite an - die Gefahr von einem Auto übersehen zu werden, steigt hier ebenso wie an mehreren Ein- und Ausfahrten an der neuen Radwegstrecke stark an. Ausserdem befinden zwei Schulen und ein Kindergarten an dem "neuen" Radweg auf der anderen Seite - zumindest wenn man den neuen Radweg nicht an der ersten Möglichkeit wieder verlässt und auf die Seeseite zurückwechselt.
Und das soll besser und sicherer sein als der superbreite Radweg am Seeufer? Mit Sicherheit nicht für die Radfahrer, die hier grad eine der am schönsten zu fahrenden Strecken in Hannover verlieren.
Zum Maschseefest, wenn tausende Menschen die Wege am See benutzen, macht eine Radwegsperrung ja tatsächlich Sinn, aber zeitlich auch nur vom Nachmittag bis in die Nacht hinein - warum man seinen Arbeitsweg am Morgen nich wie gewohnt auf dem völlig leeren Radweg fahren darf, wissen wohl nur die Stadt- und Radwegsplaner, die vermutlich in Ihrer Freizeit nur Autofahrer und Fussgänger am Maschsee sind. Und die nun den Vorschlag machen, den seeseitigen Radweg nach dem Maschseefest "wenigstens wieder" zu bestimmten Zeiten (werktags bis 18 Uhr o.äh.) für Radfahrer freizugeben. Klingt sehr nach der altbekannten Salamitaktik - anfangs hiess es immer, die Sperrung des Radweges wäre nur für die Dauer des Maschseefestes und der neue Radweg auf der anderen Strassenseite solle den alten nur entlasten.
Da fällt es beinahe schon schwer, an dieser Stelle nicht polemisch die Glaubwürdigkeit von Politikern grundsätzlich in Frage zu stellen.
Update - 17.8.09
- Fotos eingefügt, aufgenommen in Höhe der Löwenbastion mit Blick Richtung Norden
Das Maschseefest ist gestern beendet, noch läuft der Abbau in vollen Zügen. Der gesperrte Radweg ist wohl immernoch gesperrt, zumindest wirkt es für mich so, als hätte nur ein genervter Radfahrer die eine Sperrbarke zur Seite geschoben. Der Radverkehr lief heut also wieder auf gewohnten Wegen, allerdings an vielen Stellen mit abbaubedingten Hindernissen.