Heute war die Velo Challange, das erste Jedermannrennen in Hannover. Führte genau über meine "Haus- und Hofstrecke" zweimal durch das Dörfchen (STADT!), in dem ich jetzt wohne und genau über meine klassische Trainingstrecke zwischen Hannover und dem Deister (ein kleiner Höhenzug). Es gab eine große (110 km) und eine kleine (60 km) Runde. Die große ging zweimal über den Deister, ich hab es vorgezogen meine erste Rennsituation besser auf der kleinen Runde zu bestreiten. Ich musste mir für das Rennen sogar noch ein neues Rad kaufen, mein altes hat einen Triathlonlenker, die sind für Rennen (außer Triathlons) nicht zugelassen. Aber ein neues Rad zu kaufen hatte ich sowieso früher oder später vorgehabt, da kam mir die Velo nur grade recht.
Der Start des Rennens war in der Stadt am Maschsee. Gestern waren dort schon viele Buden aufgebaut, Verkaufsstände für Räder, Kleidung und ein winziger AOK-Stand, wo jedem Interessierten einen Sattelüberzug mit dem AOK-Schriftzug geschenkt wurde - den aber niemand haben wollte. Das durschnittliche Publikum war ja nich so der Sattelüberzugbenutzer ;) .
Gestern konnten wir Fahrer schon unsere Startunterlagen abholen und bekamen einen roten Sack mit der Startnummer, dem Transponder für die Zeitmessung, einer Trinkflasche und ein bisschen Schnökerkram.
Der Start für die kleine Runde war heute morgen um 9 Uhr, bis 8:45 Uhr sollten alle Fahrer da sein. Ich war es etwa schon um 8:20 Uhr, und bereits die Anfahrt war recht spannend. An jeder Kreuzung stand Polizei für die in Kürze nötigen Sperrungen, überall waren Beschilderungen und die Straße am Maschsee war schon komplett für den Verkehr gesperrt, wodurch man auf der breiten Straße und über rote Ampeln fahren konnten. Der Polizist an der einen Kreuzung musste ziemlich grinsen, als ich meiner mich zum Rennen begleitenden Tochter sagte, daß sie jetz mal nich drauf achten sollte, was wir gleich tun werden, also bei Rot über die Ampel fahren und das auch noch, wenn da die Polizei neben steht *g*.
Beim Start angekommen, stellte ich mich in die schon leicht gefüllte Masse Rennräder und Fahrer. Es war schon ein Bekannter mit seinem Arbeitskollegen da, und so warteten wir gemeinsam. Und warteten, und warteten und warteten. Es wurde langsam heißer. Die Reihen füllten sich. Lauter Rennräder, neue, alte, teure, nich so teure, ältere Stahlrenner aber auch relativ viele normale Räder, Trekkingräder, Mountain Bikes und sogar ein Mountain-Bike-Tandem standen da. Genauso gemischt war das Teilnehmerfeld, von jungen, schlanken, athletischen Fahrern in Team-Trikots über normalo-Rennradfahrern wie ich es bin bis hin zu relativ stark übergewichtigen und/oder recht alten Fahrern war alles dabei. Frauen auch, wie viele kann ich schwer schätzen, wir waren stark unterrepräsentiert, aber es gab schon einige Frauen in dem Bereich, den ich einsehen konnte.
Dann war es endlich 9 Uhr, seit 10 Minuten schielte ich schon zu den Dixi-Klos rüber, die ich vielleicht doch vorher noch mal hätte nutzen sollen. Ausserdem wurde es langsam unangenehm heiß. Countdown und Startschuß für den ersten Block, zwei Minuten später startete der zweite, also meiner. Es rollte alles langsam los (die Zeitaufnahme startete dank der Technik beim Durchfahren des Start-Ziel-Bogens) und ein hunderfaches "Klicken" ertönte, als alle (fast alle) ihre Schuhe in ihre Pedale einklickten. Meine größte Sorge, ein Massensturz am Massenstart, hat sich zum Glück nicht bewahrheitet, zumindest in dem Bereich, den ich sehen konnte. Die ersten vier Kilometer ging es mehr oder minder geradeaus, eine Verkehrsinsel mit einem wild winkenden und pfeiffenden Ordner war die erste Schikane, die wir alle sicher umfahren konnten. Das Tempo erhöhte sich langsam, dann die erste, richtige Kurve, 90 Grad mit anschließender Brücke und 500 Meter extrem schlechte Wegstrecke. Das Fahrerfeld war noch sehr eng, Schlaglöchern ausweichen war nicht möglich, also grade drüber mit 30 km/h. Mein armes Rad!
Die nächsten Kilometer zog sich das Feld immer weiter auseinander und ich habe gefühlte tausend Radfahrer überholt. Ein geiles Gefühl! Die meisten schnelleren Fahrer waren wohl entweder gleich vorne gestartet (vermutlich waren die Startblöcke nach der Selbsteinschätzung der Fahrer geteilt, ich also in dem langsameren) oder sind die große Runde gefahren. Oft überholt wurde ich in der Anfangsphase nicht.
Die Strecke selber kannte ich ja sehr gut, bin sie in der letzten Woche noch zwei Mal abgefahren, hab mir alle Schlaglöcher und Hindernisse eingeprägt, das war aber meist gar nicht nötig gewesen. Die Fahrenden gaben die gewohnten Handzeichen, niemand fuhr aggressiv oder rücksichtslos, es ging alles sehr gesittet zu. Und das Fahren hat einfach unglaublich viel Spaß gemacht. Bei strahlendem Sonnenschein, leichtem Wind, an den Straßenrändern überall Zuschauer, die einen anfeuerten, riefen, pfiffen, winkten. Man fühlte sich fast wie bei einem "richtigen Radrennen". :D
Der coolste Zuschauer fuhr draußen auf dem Gehweg auf seinem Rollentrainer und feuerte uns "entgegenkommende" an *g*
Zwei Autofahrer sind auf meinen 60 km ins Fahrerfeld gekommen, das ist wohl unvermeidlich, auch wenn wirklich jede kleinste Seitenstraße an der Rennstrecke abgesperrt war. Vor parkende Autos, die mit ihren Besitzern dann einfach mal losfahren, ist man aber trotzdem nicht geschütz, und so hatte ich zwei nicht sehr witzige Streckenabschnitte mit dazwischenfahrende Autos. Es dauerte bei beiden Fahrern ein bisschen, bis diese begriffen, daß nicht WIR ihre Straße belegen, sondern SIE unsere Rennstrecke. Der erste hielt dann irgendwann links in einem Ort, nachdem ein Ordner ihn angeschrien hat. Grade an der Stelle parke aber rechts auch ein Auto, so daß sich das Fahrerfeld, hier noch relativ kompakt, dazwischen durch drängeln musste. Der zweite Fahrer, fast am Schluß, fuhr etwa einen Kilometer zwischen uns, hatte wohl schon verstanden, daß er da besser mal weg fährt, hatte nur keine Chance gehabt, sich und sein Auto zu entfernen und so hatte ich das unwahrscheinliche Pech, genau hinter der Blechkiste durch einen Kreisel zu müssen. Eh eine der haarigeren Momente, dann noch das bremsende Auto vorne vor... Nach dem Kreisel "parkte" es besser mal in einer Bushaltestelle...
Ich hab lange Zeit Windschattenspringen gemacht und mich so immer weiter nach vorne vorgearbeitet (wo nun ganz vorne war, konnte ich die ganzen 60 km nicht sehen, es waren immernoch jede Menge Fahrer vor mir). Grüppchen für Grüppchen arbeitete ich mich weiter. Mal fuhr ich vorne, zog ein paar hinter mir mit, manchmal liess ich mich in diese Gruppe zurückfallen, um irgendwann doch wieder durchzustarten und vorbei zu ziehen. Ab etwa Kilometer 20 begegnete ich einer Frau in einem blauen Trikot, die den Rest der Tour mal vor, mal hinter mir war. Ebenso zwei Spanier, die sich beim Fahren miteinander unterhielten (wenn man beim Fahren noch lustige Liedchen pfeiffen kann, ist man m.E. zu langsam unterwegs :D ). Ein paar Andere sah ich auch immer mal wieder, verlor sie, überholte sie wieder, ...
Am einzigen Hügelchen, dem Gehrdener Berg, gab es oben einen Verpflegungsposten. Halten und Picknick machen wollte ich heute aber mal nich ;), hab dafür den angebotenen Becher mit... verwässertem Apfelsaft?... gern im Vorbeirollen entgegen genommen. Allerdings stellte ich danach fest, daß trinken grad gar nicht möglich war, das Hügelchen war schon ein bisschen anstrengend gewesen, ich war etwas am keuchen und ohne Atemluft geht trinken nun mal (bei dem Babyalter entwachsenen) Menschen nicht. Es ging nun wieder bergab, anderthalbhändig mit dem Becher in der einen Hand, diese auf dem Lenker. Die Abfahrt recht rasant, dazu ein paar geschwindigkeitsbeschränkende Bodenschwellen, Schlaglöcher und mein ergattertes Getränk befand sich weitestgehend auf meiner Hose. Gut, es war sehr warm, ein wenig Abkühlung war auch ganz nett.
Unten angekommen hatte sich Puls und Muskeln wieder beruhigt und ich noch immer mehr als genug Kraft für die letzten 20 km. Einige Zeit fuhr ich erst allein, dann vorne vor einer grösseren Gruppe und gegen den (leichten) Wind. Als das nicht mehr ging, ich mich in die Gruppe wieder einfädelte, war es mir eigentlich zu langsam. Uns so mehr freute ich mich, als uns von hinten, etwa 6 km vor dem Ziel, eine große und schnelle Gruppe überholte. Mindestens zwanzig-dreißig Fahrer surrten an uns vorbei (das Geräsuch von vielen Rennradreifen auf dem Asphalt ist unbeschreiblich cool!), ich fädelte mich dort mit ein und es ging sehr viel schneller Richtung Ziel. Die schlechte Wegstrecke vom Anfang war mit weniger Fahrern besser zu bewältigen und an der 90 Grad Kurve, etwa 4 km vor dem Ziel, war ich plötzlich wieder ganz vorne. Schulterzuckend gab ich Gas und die anderen fädelten sich hinter mir ein, bis etwa 1-2 km vor dem Ziel. Dann überholten mich etwa fünf aus der Gruppe wieder und ein paar hundert Meter vor dem orangen Zielbogen gab es dann den zwangsläufigen Endspurt. Ich stellte fest, daß ich noch immer Kraft habe, trat ebenso in die Pedale wie die um mich herum fahrenden Männer und *schwups*, schon war ich wahnsinnig breit grinsend im Ziel!
Dieser Endspurt, die Zieleinfahrt war Adrenalin pur, war einfach nur - sorry - GEIL! Ich brauchte sehr lange, um das Grinsen wieder aus meinem Gesicht zu bekommen und dachte, nein denke (!) nur: DAS will ich bald nochmal!
An den Zelten der Organisation hingen kurze Zeit später schon die ersten Listen mit Zeiten und Platzierungen. Ich stellte verwundert aber auch stolz fest, daß ich die 35. der Frauen bin und die 14. der Frauen meiner Altersklasse 30-40 (!). Wie viele Frauen die 60er Runde gefahren sind, und die wievielte von allen ich denn bin, weiß ich noch nicht, die Ziellisten sind noch nicht online. Etwa 600 Fahrer waren es wohl auf der kleinen Runde, etwa 2000 insgesamt.
Ich brauchte 1h 47' für die 58 km, 32,52 km/h . Meine bisherige Bestleistung! Okok, ganz viel Windschatten und sonst optimale Bedingungen, aber trotzdem, eine für mich wirklich gute Leistung. Und ich bin noch nicht mal richtig fertig, hätte durchaus noch etwas mehr Kraft investieren können. Das nächste Mal! Wann ist das nächste Jedermannrennen??? ;)