Ninas Schmierblo(g)ck

Konservierungsmittel...

Farin Urlaub Racing Team 2015 - Hannover

Geschrieben von Nina • Donnerstag, 28. Mai 2015 • Kategorie: privates
Ich mag den großen, blonden Ärztefrontmann auch solo schon sehr lange und erinnere mich gern an spätabendliche Laufrunden vor sicherlich schon fast 10 Jahren mit "ihm" auf den Ohren.

Also wurde es gestern endlich mal Zeit, ihn live zu bewundern. Eineinhalb Stunden vor Konzertbeginn waren wir an der Stadionsporthalle, wo sich eine lange, ordentliche, deutsche Schlange gebildet hatte, die aber recht schnell voran kroch. Vor uns junge Leute, die mit einem Versprengten telefonierten („Wo bleibst du denn? Wir haben dein Bier und deine Karten hier!“). Das Bier wollten sie verschenken, weil sie es ja nicht mit reinnehmen konnten, aber niemand wollte das Krombacher *grins*.

Neben den schlangeführenden Metallgittern standen Tüten und Boxen zum Pfand sammeln. Dazugehörig abgerissene Gestalten beider Geschlechter und verschiedener Nationalitäten, die das Pfand den Leuten möglichst gleich direkt aus der Hand nahmen. Einer hatte – psychologisch sehr klug – einen Einkaufswagen an den Anfang des Metallgitters gestellt. Dies funktioniert in Deutschland hervorragend, die Leute sortierten artig ihren Glasmüll dort hinein. Lotgerecht nebeneinander gelegt und nach Flaschenarten und -marken gegliedert!

Am Einlass wurde ich von einer Person abgetastet, bei der ich mir der Zugehörigkeit des weiblichen Geschlechts nicht unbedingt sicher war. Es war eine unangenehme Prozedur, eher einem Verbrecher als einem Konzertbesucher würdig (ich kann mich nicht erinnern, bei so etwas einmal so grob betastet worden zu sein). Sogar die Mini-Täschlein meiner kleinen Leder-Bauchtasche musste ich öffnen. *kopfschüttel* Kamera, Springmesser und Alkoholika hätte ich trotzdem wie immer zwischen den Brüsten, im Hosengurt vorm Bauch oder den Socken hereinschmuggeln können... lächerliche Kacke!

Endlich unten im Innenraum angekommen war ich froh, dass es doch noch nicht so voll war. Die meisten Wartenden saßen vor der Bühne am Boden, wir so grob in der 6.-7. Menschenreihe, leicht links der Mitte. Dass es bei einem derartigen Konzert nicht klug ist, ganz mittig zu stehen, bestätigte sich später, als sich gefühlt zweihundert Menschen über die Massen nach vorne tragen ließen. Die natürlich immer genau mittig von den Ordnern in Empfang genommen zu wurden. Ach, die grimmig schauenden Herren vom Sicherheitsdienst stehen da gar nicht um die Bühne zu bewachen, die stehen da, um das angeschwemmte Publikum auf den Arm zu nehmen? *hihi* Einer von diesen Wächtern konnte trotz unbewegt in die Menge starrendem Gesicht seine Musikliebe aber nur schwer unterdrücken und zappelte ein wenig im Takt herum, als Farin später musizierte.

Aber erstmal hieß es warten. Was viele dazu brachte, aufs Smartphone zu starren und drauf rum zu wischen und zu tippen. Was hat man eigentlich früher in den Zeiten ohne Smartphone mit derartigen Wartezeiten gemacht? Vermutlich geredet, was der Typ neben mir leider auch zur Genüge tat. Nun weiß ich alles, was ich nie über den bevorstehenden Junggesellenabschied seines Kumpels wissen wollte, und einiges mehr, was zum Glück später mit der Musik aus meinem Hirn wieder herausgeschwemmt worden ist. Generell erschien mir das Publikum im Durchschnitt jünger als ich. Dafür verwirrenderweise aber auch dicker! Mag sein, dass subjektive Wahrnehmung hierbei eine entscheidende Rolle spielt, aber die "alten" Ärztefans sind eher nicht das Durchschnittspublikum von Farin. Möglicherweise gehen die aber auch schon lange nicht mehr auf Konzerte, weil sie mit dem Abbezahlen ihrer Einbauküche in ihrem Eigenheim ausreichend beschäftigt sind?

Ich bekam eingeschlafene Beine vom Sitzen auf dem Boden (ich bin zu alt für diese Scheiße), trank Bier und Cola aus 2-Euro-Farin-Urlaub-Plastikbechern (die ich später trotz Anbinden in meinem Jackenärmel leider verlor und mich nach Konzertende noch einmal für einen 2-Euro-Farin-umzingeltvonIdioten-Becher-mit-4,50-Euro-Colafüllung anstellen musste )..

30 Minuten vor Konzertbeginn weckten Bassgeräusche hinter dem Vorhang die Massen, worauf ein Lemming-Effekt einsetzt. Die Leute, die seit einer Stunde friedlich wartend am Boden saßen, erwarteten wohl einen Frühstart der Band, standen plötzlich auf und begannen nach vorne zu drängeln. Da bleibt einem kaum was anderes übrig als mit zu machen, sonst ist man platt oder weg...

Vor mir standen nun natürlich wie immer große Menschen. Trotzdem war ich nur wenige Meter von der Bühne entfernt und auch die Mauer aus großen Menschen hatte immer mal wieder Lücken im Sichtbereich. Kurzärmlig im Gedränge gab es schon vor der Bühnenshow immens viel Körperkontakt, und ich stellte wieder einmal fest, dass ich den in so einer Situation lieber mit Frauen als mit Männern habe. Vielleicht einfach, weil sie weicher sind und besser riechen? Noch roch es aber normal, unauffällig, nach Shampoo, Deo und Bier, später kam dann Schweiß in vielen Geruchsrichtungen hinzu. Aber kein Zigarettenrauch! Was bin ich froh, heute nicht auch noch gegen die Sucht anzukämpfen bei den inzwischen üblichen Nichtraucherkonzerten...

Punkt 20 Uhr ging's los. Ist das noch Punkrock? Ich glaube nicht...

Auf der Bühne neben Farin eine hübsche Gitarristin, eine noch hübschere Bassistin und die Schlagzeugerin, von dessen optischem Reizen man sich erst gegen Ende des Konzertes überzeugen konnte, weil sie bis dahin hinter ihrem Instrument fast unsichtbar gewesen ist. Weiterhin vier Sängerinnen und vier Bläser.

Es folgte Musik. Zwei Stunden und 20 Minuten lang. Zuviel vom neuen Album, was ich nicht so gern mag, aber auch ausreichend schönes aus den Alten. Ich war bis auf wenige Zeilen bei allem textsicher (ein paar Exoten hab ich in den letzten Tagen noch geübt *g*), und ich war damit bei Weitem nicht die Einzige! Das ganze Publikum, zumindest aber der Bereich, den ich überblicken und bedingt hören konnte, sang mit. Und tanzte. Und hüpfte. Und schubste. Und ich mitten drin...

Anfangs hatte ich bei diesen Massenbewegungen, bei denen einem nichts anderes übrig bleibt, als mitzuschwimmen und besser nicht zu stolpern, Angst. Normalerweise bin ich etwas weiter hinten, außen, wo mich derartiges nur am Rande berührt und eher belustigt betrachtet als denn dann gefühlt wird. Nicht bei diesem Konzert! Anfangs schwappte es nur im Mittelpunkt der Bühne und die wenigen Meter, die ich von diesem entfernt war reichten, um mich sicher zu fühlen. Aber irgendwann wurde auch von der anderen Seite geschubst und geschoben, zurückgeschoben und gehüpft und ich hatte Spaß, ein Teil dieser unkontrollierten Masse zu sein! Den Schweiß der anderen auf dem eigenen Shirt, nicht nur die eigenen Haare im Gesicht, im engen Körperkontakt zu allen Seiten, mithüpfend, wenn die anderen es tun, weil man beinahe physikalisch mit hochgezogen wird, zur Seite hüpfend, tanzend, drängelnd, zurück geschubst werden. Verwirrenderweise war dies alles nur selten schmerzhaft und obwohl ich mir gänzlich unbekannte Menschen permanent an allen möglichen Stellen anfassen musste, überhaupt nicht unangenehm! Und als besonderer Bonus kam ich durch dieses Schwarmverhalten immer weiter nach vorne!!! Die zweite Hälfte des Konzertes genoss ich in zweiter bzw. dritter Reihe mit einem sagenhaften Blick auf die Bühne :).

GEIL! :)

Als besonderen Nebeneffekt dieser Sing-, Tanz- und Schreitherpaieeinheit bin ich in Kürze immunisiert gegen den Großteil aller aktuell grassierenden Infekte. ;)

Farin spielte mit uns, ließ die viertausendfünfhundert Zuschauer springen, wenn er hüpf sagte, ließ uns seine Musik mit Gesten untermalen und trank zwischendurch Tee aus einem Keramikbecher. Was mich zu der Aussage: „Farin, ich will ein Tee von Dir“ brachte, die ich – leider? zum Glück? – nur für die um mich herumstehenden formulierte und nicht laut brüllte.

Einzig ein einzelner, furchtbar schlecht und dafür umso laut Mitsingender, dessen Körperkontakt (und Alkoholpegel) das normale Maß weit überschritt, nervte. Der eine und andere Besucher verkrümelte sich dafür nach den ersten Massebewegungen zügig nach hinten. So auch die beiden recht maskulin wirkende Frauen in weißen Anzügen, die schon optisch sehr deplatziert in der meist schwarzgekleideten Masse wirkten. Viel älter, viel bewegungsloser und ab und an beinahe fassungslos starrten sie zur Bühne. Mir ging es dabei ganz anders, ich war einfach ein Teil dieses Schwarms und hatte daran unerwartet erfreulich sehr viel Spaß!

Ich will nochmal!!!!

(und während ich dies alles schreibe, singt er noch immer in meinem Kopf davon, daß er sein Herz verloren und von Idioten umzingelt ist :) ).

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