Ninas Schmierblo(g)ck

Konservierungsmittel...

Das erste Mal Felsklettern

Geschrieben von Nina • Sonntag, 28. April 2013 • Kategorie: sportliches
Vor einem Jahr stand ich völlig ahnungslos aber begeistert in Löbejun, einem ehemaligen Steinbruch, unter den Felswänden und schaute den Kletterern zu. "Das will ich auch könnnen!" Aber wie beginnen?

Irgendwann hatte ich zwar schon mal einen 2-Stunden-Partnersicherungskurs in einer kleinen Kletterhalle gehabt, das war mir aber zu wenig gewesen um mich so auch sicher zu fühlen. Also machten wir über den Winter den DAV-Vorstiegskurs. Nur Hallenvorstieg, schon klar, aber irgendwie muss man ja weiterkommen und im Winter bleibt nunmal nur die Halle zum Klettern. Ein bisschen haben wir an den fünf Abenden sogar dazugelernt gelernt, vor allem, wie man mit den Expressen umgeht, also wie man clipt und wie man das Seil korrekt einlegt. Und das Wissen im Partnersichern verbessert und verfestigt. Nach dem Kurs bin ich mit Marko noch ein paar Mal in Hannovers einziger Kletterhalle gewesen, aber das ist.. naja... Schon spaßig, irgendwie! Aber auch zu klein, zu voll, und mein Trainings- und Terminplan gibt nur wenig Lücken her, die ich hiermit füllen möchte.

Aber Felksklettern wollte ich! Also kaufte ich ein Seil, 10 Expressen, einen Sportklettergurt und Kletterschuhe (letzeres beides schon während des DAV-Kurses) und wartete auf passendes Wetter. Das nahte nun. Mehrere Stunden Webrecherche zum Thema Anfängerfelsklettern später hatte ich auch ein Ziel: der Ith. Gut, das war jetzt irgendwie auch naheliegend, ist es ein sehr grosses, nahegelegenes Klettergebiet, was auch für Anfänger viel zu bieten hat. Aber welcher der Felsen dort bietet mir das, was ich möchte? Einfacher Vorstieg mit vielen Haken oder die Möglichkeit, das Seil von oben einzubauen und "Toprope" zu sichern? Für einen absoluten Neuling, der hierbei nicht auf das Wissen von anderen zurückgreifen kann, ist allein schon die Recherche nach dem "wo" eine Herausforderung. Es blieb eine gewisse Planungsunschärfe mit einem "Der Rest klärt sich sicher vor Ort, da gibt es ja genügend Felswände!".

Also los. Heute. Sonntag. Wo ich doch einen fiessen Muskelkater vom Joggen gestern in den Beinen habe! Aber es war so geplant und das Wetter war toll und die Kinder nicht da. Also auf!

Gegen 11 Uhr erreichten wir den bereits fast vollen Parkplatz, auf dem neben Hannoveranern wir uns auch Hamburger und sehr viele Holländer parkten. Neben uns packten grad zwei Kletterer ihre Rucksäcke. Wir taten selbiges und versuchten dabei nicht wie blutige Felskletteranfänger auszusehen. Dabei haben wir recht viel Erfahrung im Klettern, aber eher im Bereich Seilaufstieg/Industrieklettern. Das dafür angeschaffte Material harmoniert aber prima zum Sportklettern. Karabiner, Bandschlingen, Klemmknotenseil und Helme brauchten wir schon mal nicht extra zu kaufen.

Der Aufstieg zu den Kletterfelsen war verwirrend einfach, da wir mit dem Auto schon fast bis auf Kammhöhe gefahren sind. Also mussten wir nur ein bisschen den Kammweg entlang und dann den ausgeschilderten Wegen zu den durchnummerierten Felsen folgen. Ab hier wurde der Weg dann teilweise schon ziemlich haarig. Matschige, sehr steile Wege, und das mir mit den Muskelkaterbeinen, zusätzlich zu der mir typischen körperlichen Ungeschicklichkeit. Entgegen meiner Voraussagen erreichte ich aber jeden Felsen sturzfrei. Sogar die "Steinbruchriffe", deren Zugang über Wurzeln und Felsen schon selbst eine Kletterübung darstellten.

Zuerst ging es aber an den "Probierfelsen", 24a. Frisch mit vielen Haken ausgestattet, versprach mir die Felseninformationsseite des DAV. Und mit lauter einfachen Routen für Kletteranfänger. Dazu nicht sehr hoch. Perfekt!

Vor Ort waren schon drei Leute, von denen einer den anderen beiden das Klettern beibrachte. Ich hörte neugierig zu, wann immer es ging, wobei ich natürlich versuchte, trotzdem unglaublich erfahren und cool zu wirken. Als erstes plante ich, das neue, leuchtend rote Seil mal durch den Matsch zu ziehen, damit es keine Fragen wie "Das Seil ist aber heute zum ersten Mal am Fels, oder?" erzeugt. Ups, schon zu spät. Immerhin wirkten wir wohl nicht so leuchtend rot und sauber, um als blutige Anfänger eingestuft zu werden. Oder etwa doch???

Nein, das kann kaum sein, war die erste Route, die mein Kletterpartner affenähnlich (wenn auch viel langsamer ;) ) im Vorstieg (bei dem das Seil auf dem Weg nach oben mit den mitzunehmenden Express-Schlingen in die vorhandenen Bohrhaken eingehängt werden muss) bewältigte, schon eine recht anspruchsvolle. Ich schaffte sie zwar auch, aber nicht im Vorstieg, nur im dann schon eingehängten Seil gesichert. Das Klettern selber ist so fast genauso schwierig, nur muss man nicht noch mit der Ausrüstung hantieren und das Risiko von höheren Stürzen (in das Seil!) ist nicht vorhanden. Quasi die von mir eher ungewollte "Mädchenvariante" des Kletterns. Aber hey, es war das erste Mal!

Die nächste Route hingen wir gleich von oben ein. Bäuchlings auf dem Felskopf liegend konnte ich hier die Ringe zum Einbau des Seils erreichen. Die zweite Route war klettertechnisch anspruchsvoller (ich hoffe, das war keine von denen, die diese lustigen Sesamstraßen-und-Hein-Blöd-Namen hatten! ;)) und ich war froh, dass mein Sicherungspartner mich immer nur an der sehr kurzen Leine, sprich: einem sehr fest gezogenen Seil gesichert hat. Es ist schon ein Unterschied, ob ich in der Kletterhalle vor Plastikknubbeln abzurutschen drohe oder an Felswänden, die ja eigentlich ausschließlich aus spitzen, schmerzhaften Vorsprüngen bestehen. Noch eine einfache Route an diesem Fels und wir hatten erstmal genug vom Probierfelsen. Die anderen Kletterer waren inzwischen bei der Lektion "Abseilen im Doppelseil" angekommen. Wir verabschiedeten uns freundlich und bekamen noch netterweise eine Wegbeschreibung zum nächstgelegenen Anfängerfelsen.

Auf dem Wag dahin passierten wir die Steinbruchriffe, an denen aber schon den ganzen Tag hektische Betriebssamkeit zu herschen schien. Die Frau, die grad oben auf dem Felskopf liegend ein Seil eingebaut hatte, rief uns eine freundliche Begrüssung zu. Erst da bemerkte ich, dass es unsere DAV-Vorstiegskursausbilderin ist. Sie war grad mit einer Gruppe Jugendlichen zum Klettern hier und bot uns freundlicherweise ihre Seile mit an. Vorher schauten wir uns aber noch den Nachbarfelsen (das Biwakdach) an, der ebenfalls Toprope einzubauen ging, aber zu wenig Haken und noch weniger anfängergeeignete Routen hat. Die eine, die überhaupt möglich erschien, probierten wir. Erst ich, versagend. Es war nach wenigen Schritten einfach kein Halt mehr zu finden. Weder für die Hände, noch für die Füße. Dann probierte es Marko, mit viel Mühe nicht versagend. Dann wieder ich, erneut versagend. Wenn man nicht nur ungeschickt, schwach und zu schwer ist, sondern auch noch zu kurze Arme und Beine hat, ist klettern nicht grade einfacher *grummel*. Marko schummelte mir mit einer Bandschlinge an einem der wenigen Haken einen zusätzlichen Griff. Und siehe da, so kam sogar ich nach oben! (Wie gut, dass das keiner der "richtigen Kletterer" gesehen hat ;) ).

Zum Abschluß probierten wir dann doch noch die Kletterfelsen mit der Jugendgruppe, die Steinbruchriffe, aus. Etwas höher als die ersten beiden, aber ebenfalls über den Felskopf Toprope einzubauen. Dafür komplett ohne Haken. Rein optisch wirkte der Felsen gut und einfach zu klettern, hatte viele Vorsprünge, Griffe und Tritte. Aber erstmal mussten wir warten, bis sich der Trubel hier etwas legte und eine Route frei wurde. Dann gingen wir einmal hoch, und wieder runter (tatsächlich, eher ein einfacher Felsen), und ich merkte, dass ich für heute genug hatte. Die körperliche Erschöpfung mischte sich mit der psychischen und obwohl ich eigentlich den ganzen Tag über keine echte Angst gespürt hatte, war die Anspannung meinem Körper offensichtlich langsam zuviel. Beim letzten Abseilen lassen hatte ich gleich mehrfach Angst zu fallen, obwohl mein Kletterpartner mich sicher hielt. Ich konnte mich kaum noch in das Seil setzen, weil die Panik in mir immer wollte, dass ich mich sicherheitshalber doch am Felsen festhalten möge.

Hier war für mich heute Schluß. Und nach einem netten Plausch mit den verbliebenen Kletterern in der warmen Frühlingssonne verließen wir den Ith wieder.

Hungrig, müde, kaputt aber irgendwie auch stolz und ein bisschen zufrieden.

Felsklettern auf absolutem Anfängerniveau kann ich jetzt auch. :)

Ich komme bestimmt bald wieder!
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Wie therapiert man Höhenangst?

Geschrieben von Nina • Montag, 10. Oktober 2011 • Kategorie: sportliches
Wie jede andere Angst auch, man stellt sich ihr. Etwas Therapie für mich war schon sehr häufig der Besuch der verschiedenen Kletterparks und Seilgärten gewesen. Gut angeseilt hatte die Angst fast keine Kontrolle über mich, auch wenn sie durchaus vorhanden war und leise wimmerte. Nun hatte ich noch eine weitere Motivation den Kampf gegen rationale Ängste mit irrationalen Ausprägungen aufzunehmen: ich wollte auch endlich (Geocaching-) Dosen aus Bäumen und anderen höher oder auch tiefer gelegenen Örtlichkeiten pflücken können!

Da traf es sich sehr gut, daß ich im September kurzfristig zwei Plätze in einem Seilkletterkurs beim Erlebnis-Projekt.de ergattern konnte. Samstag den Einsteigerkurs, Sonntag den Fortgeschrittenenteil. Anfangs war ich ja etwas skeptisch, ob ein Aneinanderreihen der beiden Kurse nicht etwas zu anstrengend werden würde, und natürlich hatte ich damit absolut recht (was mir der anschließend tagelang anhaltende Muskelkater bewiesen hat), allerdings war es trotzdem genau das Richtige, weil das am Samstag gelernte am Sonntag unter prüfenden Blicken gleich wiederholt werden konnte und sich somit wesentlich besser festigte. Übrigens hat sich das Gelernte so gut gefestigt, daß ich heute, Wochen später, noch immer die Worte und die Stimme von dem Trainer im Ohr habe und ähnlich penetrant wie er es bei uns tat, meinen Kindern die Seilzugangstechnikhandgriffe beigebracht habe.

Beim Samstagskurs, dem Einsteigerteil, waren wir zu sechst, Marko und ich sowie vier befreundete Cacher (drei Männer, eine Frau), die einfach mal in die T5-Klettertechnik reinschnuppern wollten. Im Gegensatz zu uns war bei ihnen erst mal kein weiteres Kursinteresse und auch kein gesteigertes Kaufinteresse an Seiltechnikzuberhör vorhanden. Was für uns den Vorteil hatte, daß wir den Fortgeschrittenenkurs am Folgetag "allein" zu zweit machen konnten.

Vor Kursbeginn war ich schon extrem nervös. Beim Autofahren brachte jeder Kilometer Näherung an das Ziel eine Steigerung meiner Atemnot und dem zerdrückenden Gefühl im Magen, der Übelkeit und dem Wunsch, schon wieder ein Klo zu suchen. Dabei habe ICH den Kurs gewollt! Und ich weiß und wusste, daß ich gut angeseilt in aller Regel nur wenig Angst habe. Aber ob mein Rücken das durchsteht? Ob ich das durchstehe? Was wenn ich umfalle? Was wenn ich nich mehr kann? Psychisch, körperlich, körperchemisch? Ängste lassen sich prima durch Ängste füttern und wachsen und gedeihen dabei prächtig...

Der Seilkletterkurs mit dem spannenden Namen "Geocaching-T5" fand in einer alten Fabrikhalle in NRW statt. "Ein erlaubter Lost Place!" war mein erster Gedanke als wir das alte Kesselhaus der ehemaligen Textilfabrik betraten. An den Decken hingen Seile, teils längs, teils quer, eine Seilbahn war aufgebaut, ansonsten war wenig Platz im unteren Bereich, aber oben auf dem alten Kessel standen Tische, Bänke, Kaffeemaschinen und Regale. Hier war unsere "Zentrale". Hier hatten wir nun erstmal eine zweistündige Einweisung, ein Kennenlernen, etwas Theorie. Und Kaffee! Meine Müdigkeit freute sich sehr über diesen, meine angespannten Nerven und die hyperaktive Blase nicht so.

Andy, der Trainer, ist ein ziemlich grosser, etwas zerknitterter, leicht angegrauter Ruhrpöttler. Ein menschenoffener, kommunikativer Mensch, der sehr gern redet. "Lehrer" ist tatsächlich ein guter Job für ihn (gelernter Erzieher und gelernter Polizist).

Unser "Drillinspector Andy" redete nun erstmal stundenlang. Über die Kletterhalle, seine Projekte, über sich, Jobs, Kinder, achja, und über Seilzugangstechniken. Wir würden nämlich gar nicht klettern, sagte er. Jaja, .... Dann gab es noch eine Vorstellungsrunde von uns. Ich war bei meiner Vorstellung sehr ehrlich, also sprach davon, daß ich viel Höhenangst habe, angeseilt diese meist unter Kontrolle ist und das ich diesen Kurs u.a. als Therapie betrachte.

Dann gab es eine Einweisung in den Gurt. Ich wollte eigentlich lieber raus, meine Blase entleeren (was eher schwierig war, weil es kein Klo gab. Aber Gebüsch und hey, wir sind doch Cacher unter uns *g*), wollte aber nix verpassen und schon gar nich als erste zum Klo (Mädchen!). Worauf ich plötzlich Vorführpuppe wurde. Diese Vorführung irgendwann aber wegen extremer Nervosität gepaart mit einer übervollen Kaffeeblase unterbrechen musste und meine Pinkelpause das andere Mädel gleich dazu brachte mit rauszugehen. Danach war ich wieder Anziehpuppe, ließ mich von Andy in den Gurt zwängen und erklären. Den Gurt, nicht mich! ;)

Danach bekamen alle anderen auch einen Gurt und einen Helm und wir gingen runter an die Seile. Andy erklärte die Technik. Er sagte, man solle die Geräte immer auf die gleiche Weise festhalten und benutzen, weil man sich nur so eine wirklich sicherer und richtige Handhabung aneignet, die auch in Paniksituationen noch funktioniert. Inzwischen war ich zwar immer noch nervös, aber nicht mehr so schlimm wie noch einige Stunden zuvor. Ich bemühte mich alles richtig zu machen und war viel zu sehr mit der Technik beschäftigt um mir ernsthaft Sorgen darüber zu machen, daß ich auf dem Boden aufschlagen könnte, wenn ich jetzt an einem, nein zwei 11 mm Seilen hochsteige.

Das erste Mal am Seil hoch war psychisch recht entspannt - ich war als eine der ersten oben, nachdem ich noch kurz versuchte, höhenangstbedingte Spezialregeln durchzusetzen:"Müssen wir wirklich bis nach ganz oben?" "SAGTE ICH GANZ HOCH???") Ok, dann gibt’s wohl kein Kneifen, dann ganz hoch....

Oben angekommen schaute runter und dachte: "hmm... das ist hoch!" Es waren bestimmt wahnsinnige 3-4 Meter *g* Angst war nicht da und der Gurt war tatsächlich ein bisschen bequem. Bis eben war mir noch sehr kalt gewesen (Nervosität!), nun wurde mir langsam warm, später meist sogar viel zu heiß.

Die nächsten Stunden spielten wir einbauen, ausbauen, hochgehen, runtergehen. Mal an der einen, mal an der anderen Seilstrecke. Mal am runden Schornstein, mal an der Wand gegenüber, die auf das Podest führte. Dort mussten wir hoch und uns ausbauen, nachdem wir uns vorher in die Sicherungsleine oben eingebaut hatten. Dann wieder einbauen und und wieder nach unten abseilen. Beim ersten Mal dieses über die Kante abseilen hatte ich vorher noch Sorge vor der Angst, die mich sicher fressen würde, wenn ich über die Kante trete. Dabei war es nichts schlimmes, eher lustig. Ich hatte volles Vertrauen in die Technik! Doppelt gesichert...

Wir spielten - nach einer Mittagspause - den Rest des Tages weiter ein- und ausbauen, Seilwechseln, Partner-Check. Irgendwann war das andere Mädel körperlich fertig und wollte nicht mehr. Ich war bedingt fertig, arg verschwitzt, aber ich wollte weitermachen, auch wenn das immer gleiche rauf und runter dann doch mal langweilig wurde! Für Knotenkunde blieb am Ende des Tages leider keine Zeit mehr. Im Abschlussgespräch erwähnte Andy noch, was man seiner Meinung nach an Ausrüstung brauchen würde. Seine Rechnung war höher als meine, sogar als meine pessimistische. Wobei ich auch nie von doppelten Sicherungen und Sicherungssystemen ausgegangen bin, die hier in diesem Kurs - gehalten von Industriekletterern - Arbeitsstandard und bei näherer Betrachtung auch sinnvoll sind.

Dann musste Andy weg, er hatte abends einen Auftrag und wir hatten endlich Feierabend! Inzwischen war es weit nach 17 Uhr, wir hatten den Kurs um 1,5 Stunden überzogen! Ich war hungrig, müde, fertig, wollte nur noch essen (viel essen!) und schlafen!

Nach einer traumlosen Nacht voll tiefstem Schlaf ging der Drill weiter, im Fortgeschrittenenkurs. Diesmal nur wir zwei und Andy natürlich.. Wenn man nur noch zu zweit lernt, bekommt man auch mehr Aufmerksamkeit ab, was nicht immer gut ist. Wir haben viel Kritik abbekommen ( leider oft auch berechtigt!).

Eine der Aufgaben nach dem Warmklettern (rein, rauf, raus, rein, runter, raus, rein, … und immer den Arm unter die Lockersling! Das Seil nich zwischen die Beine! Wie fasst man in Hannover einen Stift an?), sollten wir ein Seil an einem Stahlträger einbauen. Andy schmiss uns einen Haufen Kram vor die Füße (Seile, Bandschlingen, Karabiner aber auch sowas wie eine Schwimmnudel, Metallstäbe, Holzlatten) und meinte, wir sollten damit nun ein Seil oben am Stahlträger einbauen. Taten wir, wobei wir erst spät merkten, daß 1/3 des Krams einfach nur zur Verwirrung aufgeworfen worden war. Andy saß derweil entspannt in seinem Sitz in einem Gurt am Seil und schaute uns zu. Marko und ich grübelten, testeten und bekamen irgendwie (ich hab die Details echt vergessen) das Seil oben eingebaut. Einer von uns musste an den Seilen hoch und die oben richtig befestigen. Ich tat dies und hatte dabei dabei leichte grössenbedingte Probleme, kam oben nicht gut an den Stahlträger, die Bandschlingen und Karabiner. Ich musste mich an meinem Seil hochzerren, gleichzeitig an dem eigentlich zu weit entfernten Rohr der Wand abstützen. Sehr kraftraubend. Aber ich habs geschafft! Unter den kritischen Augen von Andy..Eigentlich keine schöne Situation, aber ich wollte ja was lernen! Was dann auch gleichzeitig lustig, anstrengend, cool und furchtbar war *g*. Marko meinte hinterher, ich hätte ihm da leid getan, aber ich habs gar nich schlimm gefunden. Es war eine Herausforderung, ich habs geschafft!

Dann durften / mussten wir Seilbahn fahren. Fast problemlos, auch wenn Marko ewig brauchte um drüben anzukommen. Und ich ebensolche Ewigkeiten um mich am Seilbahnende umzubauen. Mir fehlte es immernoch an Länge (genau an der Stelle hatte ich grade die Seile eingebaut, mit denen wir uns nun ablassen wollten) und so musste ich mich erneut hochziehen um mich aus der Zwischensicherung auszubauen. Leider war meine Kraft schon am Vortag quasi alle gewesen und so war es alles arg mühsam. Bis Andy meinte, ich hätte doch eine Trittleiter dabei. Die Handsteigklemme mit Fusschlinge! Jepp, das ging! Total einfach und gut! *puh* (später erfuhr ich, daß an dieser Stelle des Kurses mindestens einer schon mal so versagt hatte, daß ihn jemand retten musste). Wie gut, daß mir das nicht passiert ist.

Die nächste Lektion war "Rettung". Andy rettete einen zufällig anwesenden Bekannten aus dem Seil. Das sah easy aus! Dann waren wir dran. Ich ließ mich zuerst von Marko retten und anschließend rettete ich ihn, auch das war technisch nicht wirklich schwierig! Am Seil hochgehen, ein bisschen höher als die HiLoPe (die hilflose Person). Diese mit den Beinen umgreifen (mit dem polnischen Klammerhaken, den man bei jeder beliebigen Bahnhofsnutte lernen kann *g*), die "Exe" (also ein Stück Bandschlinge mit zwei Karabinern) mit seinem Gurt verbinden, das "Ypsilon-Dingens" (eine Art Seil mit Karabinern) mit seinem Gurt verbinden, dann ihn langsam aus seinem Seilaufstiegsgerät herausfahren und ausbauen und uns zusammen mit meinem Gerät herunterlassen. Unten den Verletzten vorsichtig aufsetzen, keinesfalls legen!

Das Retten war mehr lustig und weniger schwierig und es ist sehr gut zu wissen, daß wir uns notfalls gegenseitig aus dem Baum pflücken können! Wobei es körperlich durchaus anstrengend war. Unten angekommen war ich körperlich dann dermaßen fertig, daß ich mein Seilaufstiegsgerät anstarrte und kurze Zeit nicht wusste, wie man es bedient! (Soviel zu der Lektion es immer gleich zu benutzen, damit man es in jeder Situation sicher benutzen kann!).

Die letzte Aktion, die wir noch hatten, war das "Traversieren". Wir sind gefragt worden, ich wollte es machen. Oben war längs der Halle eine Seilstrecke eingebaut. Da muss man lang und sich an 4-5 Punkten umhängen. Jeweils auf unglaublich dünnen Rohren stehend, aber natürlich auch noch im Seil gesichert. Immer zweifach gesichert! IMMER!

Marko ging zuerst, ich ging als zweites in die Seilstrecke, stand aber lange, seeeeehr lange unschlüssig am Start. Ich war längst total kaputt. Und hier hatte ich dann doch mal wirklich Angst! Und noch mehr als die Angst vor der Höhe und dem Versagen hatte ich Sorge, dass ich es körperlich einfach nicht mehr schaffen könnte. Außerdem war Andy mit Marko beschäftigt, was wenn ich mich falsch ein- bzw. umhänge? Eine dumme und unberechtigte Sorge, klar. Aber es ging mir hier wahrlich nicht mehr gut. Es wirkte so hoch, da oben auf dem Stahlträger - auch wenn ich im Fall eines Absturzes ja gar nicht bis Bodenniveau gefallen wäre, ich wäre auf das höher gelegene Podest geknallt. Mein Angstmechanismus peilte aber den tiefsten Punkt, den Boden an, der aus dieser Perspektive wirklich tief unten zu sein schien. Andy bemerkte mein Zögern, fragte nach und ich antwortete, ich wüsste grad nich, ob ich das hier schaffen könnte. Er meinte, dochdoch, da wäre er sich sicher, das schaffe ich. Auch körperlich? …

Ich weiß nicht, wie lange ich da stand, aber irgendwann war mir das Warten zu doof, ich wusste ja, was ich zu tun hatte, war auch schon längst eingehängt gewesen, ließ endlich los und zog mich rüber zum ersten Umhängepunkt Es war recht einfach, nicht so anstrengend wie befürchtet (ich hing ja entspannt in meinem Gurt, diesmal nur eben in der Waagerechten) und natürlich kam ich prima und ohne ein Rettungsszenario zu inszenieren drüben an. Die Höhenangst hatte ich im Griff, auch wenn es doch ein sehr eigentümliches Gefühl gewesen ist, da oben rumzuhängen bzw. an den Umhängepunkten auf gefühlt streichholzdünnen Rohren herumzustehen. Da ich aber sowieso zu sehr mit der Technik beschäftigt war, hatte ich gar keine Ressourcen für Panik über. Teilweise war es wieder etwas schwieriger mit meinen kurzen Armen und Beinen, letztendlich kam ich aber auf der anderen Seite an. Breit grinsend!

fast fertig!


Ungefähr hier war dann aber bei mir körperlich und psychisch Feierabend. Mir tat alles weh, also alle Muskeln - mein Rücken hat dieses Wochenende erschreckend gut überstanden!

Es gab noch eine Endbesprechung und noch etwas Knotenkunde sowie Seilbahnbautheorie bzw. eine Erklärung, wie man ein Seil unten um eine Brücke herum gebaut bekommt. Andy hat mich gelobt für den schwierigen Anbau der Seile bzw. mir an der Seilbahn und dafür, daß ich mich nicht wie ein "Mädchen" aufgeführt hab *g*.

Den coolen Schornstein haben wir leider nicht beklettert. Ich weiß gar nicht, ob ich ihn geschafft hätte - aber dank dem Regen und der Tatsache, dass wir keine Zeit mehr übrig hatten, ging es leider sowieso nicht. Schade, schade :( (Dann muss ich wohl noch mal da hin fahren ;) ).

Gegen 21 Uhr machten wir uns, mit dem Kofferraum voller frisch gekaufter Kletterutensilien, endlich auf den Heimweg nach Hannover.

Ich hatte anschließend zwei Tage lang einen der schlimmsten Muskelkater meines Lebens!

Als der abgeklungen war machten wir unseren ersten eigenen Baumkletter-Cache. 16 Meter, ein simpler Baum. Alles ging prima :) . Seit dem sind noch 9 weiterer Klettereien in immer grösseren Höhen gefolgt und ich freu mich schon auf den nächsten. Auch wenn ich oben in den Bäumen immernoch ein sehr flaues Gefühl im Magen habe und mich sehr häufig frage, ob es wirklich not tut, was ich da tue. Den Rest der Zeit grinse ich, wenn ich ans Klettern denke, träume davon und freue mich auf den nächste Kick. Morgen vielleicht wieder? ;)

Drillinspektor Andy ist auch Wochen später immer noch in meinem Ohr und ich spreche im Geiste noch immer sein "Gebet" mit der Reihenfolge der Handgriffe, die wir beim Umbau von "hoch" nach "runter" durchführen müssen.

Der Kurs war sein Geld definitiv wert gewesen! Das Wissen, all die kleinen und großen Dinge und das Selbstbewusstsein, das Vertrauen in die Technik und das Vertrauen in mein Wissen - ich weiß, was ich tue, wenn ich mit den technischen Hilfsmitteln Bäume und ähnliches erklimme.... Das war es definitiv wert gewesen!
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