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Montag, 24. Oktober 2005 Radtour Lacoma
Wir hatten uns mal wieder eine Radtour vorgenommen. Diesmal war das Ziel Guben und, wieder einmal, Polen. Hin wollten wir mit den Rädern fahren, zurück dann mit der Bahn (weil auch eine Tour schon mehr als 50 KM gewesen wäre).
Kaum hatten wir Cottbus mit den Rädern verlassen, der erste längere aber auch einprägsame Halt. Lacoma... In den paar Tagen Urlaub da bin ich mit dem Ortsnamen mehrfach und immer wieder konfrontiert worden. Vattenfall (ein Energiekonzern) will dort, in direkter Nähe zu einem geschützten Seengebiet, Braunkohle abbauen. Durch das dadurch sinkende Grundwasser dürfte die Seenlandschaft auch entgegen den Beteuerungen der Verantwortlichen großen Schaden nehmen. Hier stehen wie so oft in heutiger Zeit die Interessen grosser Firmen denen kleiner Umweltaktivisten entgegen und grad als ich am Mitwoch in Cottbus ankam wurden ein paar Robin Wood Aktivisten von der Polizei von Bäumen geschnitten, an die sie sich tagelang festgebunden hatten um auf die Situation aufmerksam zu machen. Irgendwelche Genehmigugen fehlen dem Großkonzern derzeit wohl noch, was ihn nicht hindert, eine Menge Land umzubuddeln, aufzubuddeln, kaputtzubuddeln.
Im ehemaligen Dorf Lacoma waren einige Bagger, Laster und Arbeiter am Werkeln, ein Wasserlaster hat die offenbar relativ frisch angelegte Schotterstrasse mit Wasser übergossen damit es nicht so staubt. Baggergeräusche drangen aus einiger Entfernung zu uns herüber und die ganze Situation war etwas... seltsam?! Und weckte bei uns beiden den Wunsch, der Schotterpiste etwas zu folgen. Gut fahrradfahren konnte man auf dieser zwar nicht, trotzdem hielten wir uns noch lange und tapfer auf den Rädern. Genauer gesagt bis der Wasserlaster von hinten kam und uns überholte. Es mag ja sein, dass ich etwas einseitig geprägt war von dieser Geschichte, die ich bislang nur von Marko und seinem Mitbewohner gehört hatte. Aber dieser Wasserlaster und all die anderen Laster und Bagger empfand ich als Bedrohung, einfach nur als völlig negativ. Sie passten auch nun so gar nicht in das Bild dieses Flecken Natur, wie sie auch bewiesen und diese an allen Enden und Ecken mehr und minder stark zerstören. Es war ein sehr bedrückendes Szenario.
Wir sind der Schotterpiste so 1 KM gefolgt bis der Wasserlaster zum Absteigen zwang. Die Landschaft war gesäumt von Probebohrungen und mit kleinen schwarzen Plastikzäunen abgezäunte Rodungsgebiete. Ein paar Bagger und Lastwagen gruben grade eine grosse Schneise durch ein Waldstück.
Bagger, Laster, parkend und arbeitend, ein Laster mit einem seltsamen Bohrgerät, der an uns vorbeifuhr, ein Anhänger mit 3 Stückchen grosser Rohre, von allen Seiten die Motorengeräusche, teils nah, teils fern, wo immer das Auge hinschaute Landschaft, die grad vom Menschen zerstört wird...
Wer mehr über die Lacomer Teiche, die Bewohner von Lacoma/Lakoma, den Braunkohlebergbau und Vattenfall wissen möchte, findet z.B.: auf www.lacoma.info einen ersten Anlaufpunkt. Die Baumbesetzteraktion ist in den regionalen Zeitungen übrigens hübsch totgeschwiegen worden,Vattenfall einer der größten Arbeitgeber in dieser Region. Wer weiterlesen möchte, ist bei www.robinwood.de gut aufgehoben.
 Wir sind irgendwann querfeldein weiter, haben die Räder geschoben und versucht einen Weg in die von uns gewünschte Richtung zu finden. Langsam haben wir die Geräusche und menschliche Zerstörungswut hinter uns gelassen und fanden nach einiger Zeit eine hübsche Lichtung mit einem Jägerhochsitz. Ein schöner Fotografierhalt!
Auch eine wenn auch extrem schlechte Straße fanden wir. Die allerdings aprupt vor einem "Betreten verboten, Lebensgefahr! Schild" der nächsten Vattenfall-Baustelle endete. Eine vom Zäunen umsäumte Schneise schnitt die Landschaft hier soweit das Auge reicht in zwei Hälften. Schilder und Zäune haben uns wenig geschert, zumal wir auch keinen anderen Weg hätten nehmen können ohne nicht mehrere Kilometer Umweg auf uns zu nehmen. Wir sind einfach über die Baustelle drüber weg gekraxelt.
Wieder auf der Straße sind wir zum Aussichtspunkt dieses Braunkohletagebau gefahren. Dort gab es immerhin eine hölzerne Überdachung und ein paar Picknicktische und den Blick auf ein weiteres riesiges Loch. Meine Stimmung war recht mies, was sicher noch an den Eindrücken in Lacoma lag. Hunger hatten wir beide inzwischen, bei dem Braunkohle-Aussichtspunkt wollte ich aber auf keinen Fall etwas essen. Also weiter und auf einen sehr nahegelegenen Hügel. Bärenbrück? Es gab eine Menge mit Schildern gekennzeichnete Aussichtspunkte dort auf dem Rundweg rund um den Hügel und tatsächlich waren die meisten sehr sehenswert. Beim ersten Schild haben wir pausiert, gefuttert und dann sind wir den Weg um den Hügel gefolgt und haben auch mit der Kamera eine Menge schöner Eindrücke gesammelt. Auf einem war das Kraftwerk Jänschwalde zu sehen. 9 riesige Schornsteine die unglaubliche Mengen voll weissen Wolken rauspusten. In seiner Grösse einfach erschreckend aber auch anziehend.
Wieder auf der Straße angekommen ging weiter Richtung Peitz. Polen bzw. Guben als Ziel haben wir aus Mangel an Zeit und Tageslicht inzwischen gestrichen, wir wollten nur noch den einen Radwanderweg erreichen und zurück nach Cottbus. Der Ortskern von Peitz bestand eher aus Nichts mit einer Tankstelle. Wir machten dort noch eine Kaffepause. Draußen wurde es langsam dämmerig, Marko war reichlich kaputt inzwischen und zu allem Überfluss fing fing es nun auch noch an zu nieseln. Die Stimmung war eh nicht die allerbeste. Peitz hab ich somit nicht in schöner Erinnerung behalten obwohl das Dörflein nun wohl fast nichts dazu konnte.
Der Radweg war etwas schwieriger zu finden, um so hübscher war er dann als wir ihn hatten. Ein Lehrpfad über die Lacomer Teiche war es. Der Weg begann an den Gründen für die Einmaligkeit der Landschaft, den Fischereiteichen.
Der erste der Teiche war leer bei unserem Besuch. Dieser Anblick von dem trockenen Teich, dahinter das Kraftwerk, einsetzende Dunkelheit und Nieselregen war dann auch gleich mahr als nur doppelt trist...
52 KM haben wir diesen Tag tapfer radwandernd hinter uns gebracht. Die Radwanderwege dieser Gegend möchte ich an dieser Stelle noch einmal explizit und lobend erwähnen. Sie sind in den meisten Fällen sehr gut, klasse ausgeschildert und ziemlich schön.
Wallace und Gromit, Joggen und Fürst Pückler (allerdings nicht das Eis ;) ), Kaffeekomplikationen und einiges mehr waren die Inhalte der nächsten Zwei Tage. Davon gibt es aber weder Fotos noch Texte, aus diesem Grund endet dieses Urlaubs-Fototagebuch an dieser Stelle. Mir bleibt nur noch ein Dankeschön auszuschreiben für die Geduld, diese Worte hier tatsächlich bis zum Ende gelesen zu haben, ein auf Wiederlesen zu wünschen und - zurück zur Startseite zu verlinken.
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